Chapter II

Programm im Kapitel II
Linda Nadji
10.11.2017 – 06.01.2018

 

Samstags 12-16 Uhr
09.12.17 / 16.12.17 / 30.12.17 / 06.01.18

 

10.11.2017 | 19 Uhr
Performance ( Stimme/Sound )

 

24.11.2017 | 19 Uhr
Performance (Körper/ Material)

Malin Gebken
Bettina Nampé
Ninakarlin Prinz

 

08.12.2017 | 19 Uhr
Eröffnung – LINDA NADJI & GUESTS

Rimma Arslanov | Lars Breuer | Sebastian Fritzsch | Malin Gebken | Soo Hong | Jon Moscow | Bettina Nampé | Mayumi Okabayashi | Ninakarlin Prinz | Elisabeth Windisch

 

Das zweite Kapitel schließt mit der Präsentation ortsspezifischer Arbeiten von KünstlerInnen, die Linda Nadji während ihres Aufenthaltes in die Wohnung eingeladen hat.
Der Grundgedanke der kooperativen Abschlussschau ist eine Weiterführung des bisherigen künstlerischen Prozesses, den Nadji in zwei vorangegangenen Performances anstieß. Während bei der ersten Performance der Einzug und die Einweihung durch Stimme sowie Sound im Fokus stand, konzentrierte sich die Folgeperformance auf Begegnungen in der Wohnung. Die Begegnung als Dialog führt sich in der Kooperation Nadjis mit den eingeladenen KünstlerInnen vor Ort fort. Die KünstlerInnen adaptieren und entwickeln Vorgefundenes in ihrer individuellen Manier weiter. Dabei greifen sie einerseits auf das Materialkonvolut in der Wohnung zurück, aber auch auf die von Nadji geschaffene Situation. Es findet ein experimenteller Austausch statt, der die Wohnung selbst zu einer Plattform der Erweiterung macht. Nadjis künstlerische Praxis in der Wohnung ist hierbei Impulsgeber, die eine aktive Bewegung in Gang setzt und in der Gesamtschau kulminieren lässt.
Die Ausstellungspräsentation begreift sich nicht Endpunkt, sondern als eine Markierung des Gesamtprozesses.

Zentraler Ausgangspunkt für Linda Nadijs künstlerische Fragestellung ist die Wahrnehmung des Gegebenen und zumeist Unscheinbaren im Raum. Im Sinne einer relationalen Ästhetik richtet sich die Frage nicht mehr nach dem Neuartigen, sondern wie der Umgang mit dem Verfügbaren gestaltet sein kann. Vorgefundene Objekte in der Wohnung, die liegengelassen oder vergessen wurden sowie unauffällige Eigenheiten des Raums stehen im Fokus von Nadijs Rauminterventionen. Mittels kleiner, aber effektiver Gesten stört sie die bestehende Raumordnung und erzeugt neue Raumbilder. Alltägliche Wohn-Accessoires wie Badezimmermatten erhalten durch die Hängung auf Kleiderbügeln eine ungewohnt intensive räumliche Präsenz. Der Eingriff in die gegebene Form und die Art der Erscheinung verändert folglich auch die Bedeutung in der Wahrnehmung des Materials sowie des Raumes selbst.
Die für und in der Wohnung konzipierten (performativen) Arbeiten beschäftigen sich maßgeblich mit dem Spiel des Beziehungsgeflechts von Körper, Objekt und Raum.
Nadji lotet die Grenzen der Relationen zueinander in diverser Form aus. So bietet zum Beispiel der bewegte Körper ein vielseitiges Instrumentarium, um durch Stimme, Choreographie aber auch allein durch seine leibliche Präsenz in ein situationsbezogenes Spannungsverhältnis mit dem Raum und dem Betrachter zu treten. Über den performativen Balanceakt wird ein ‚Dazwischen’, eine Schwelle erzeugt, die Körper zu Material und vice versa transformiert und bestehende Wahrnehmungszusammenhänge temporär bricht.

 

Linda Nadji, lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Köln. 
Nach dem Grundstudium Objektdesign an der FH Aachen und einer Schauspielausbildung in Köln, studierte sie Bildhauerei bei Professor Hubert Kiecol an der Kunstakademie, Düsseldorf, wo sie 2011 als Meisterschülerin absolvierte.

 

Text – Julia Reich